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Medien-Erbrochenes und potenzielle toxische Auswirkungen

20. Mai 2024

3 Min. Lesezeit

Hallo, KICK CAREER-Fans. Es sind ein paar Tage verstrichen, seit ich meinen letzten Beitrag veröffentlichte und das hat seine Gründe. Ich möchte wertvolle Inhalte zum Thema Talententwicklung bereitstellen und mich nicht an wilden Spekulationen beteiligen, die ein realitätsfremdes, sensationsgieriges und profitgeiles Bild ohne Rücksicht auf Verluste zeichnen.

In Bayern würden wir sagen „ausgerechnet“, was heißen soll, „zufällig“, ist genau diese Medienlandschaft mein heutiges Thema.

Wie Superspreader agieren viele Plattformen selbst etablierter Anbieter im Sportkontext. Eine angenehme Ausnahme stellt aus meiner Sicht lediglich der kicker dar. Viele andere Provider räumen dem Kommerz den Vorrang ein und schämen sich nicht, zahlreiche Behauptungen unter verschiedenen Überschriften zu veröffentlichen.

Es ist nervig und ärgerlich, wenn eine Überschrift neue, interessante Inhalte verspricht, aber bereits der zweite Absatz eine Wiederholung eines anderen Artikels mit einer anderen reißerischen Headline hervorwürgt. Eine Erklärung dieses Sachverhalts, könnte das potenzielle Generieren dieser Beiträge durch künstliche Intelligenz liefern. Sollten sich aber tatsächlich menschliche Autoren dahinter verbergen, kann man nur noch von einem medialen Vomitus sprechen. Nicht nur, dass es sich um oberflächlich recherchierte Inhalte handelt, sondern gerade die Art und Weise der Veröffentlichung möchte ich ausdrücklich kritisieren. Berücksichtigt man darüber hinaus auch noch die unterschiedlichen Formate, bspw. schriftliche Kurzbeiträge auf elektronischen Plattformen, die im Browser oder aber auf Basis eigener Apps publiziert werden oder Beiträge im Rahmen von Podcasts, kann man im wahrsten Sinne von einer medialen Gastroenteritis oder einem Brechdurchfall sprechen.

Je häufiger die Beiträge geklickt werden, desto mehr Buchstaben und Clips bekommen wir über unsere elektronischen Devices erbrochen.

Vor diesem Hintergrund sollten die Protagonisten des Fußballgeschäfts äußerst sensibel agieren. Eine unvorsichtige Aussage oder ein zweideutiger Halbsatz werden im nächsten Moment im Verdauungstrakt der Nachrichtenzunft verarbeitet und aus allen Kanälen schwallartig wiedergegeben.

Man ist daher gut beraten, vor laufenden Kameras und Mikrofonen nicht der Versuchung zu erliegen, Statements mit einer fernen Verwandtschaft zu vertraulichen Inhalten abzugeben, denn selbst die Nennung eines Substantivs in einem irgendwie gearteten Zusammenhang wird sinnfremd interpretiert.

Mit dem Kommentieren von Sachverhalten, die nicht im eigenen Verantwortungsbereich liegen, sollte man ähnlich sensibel umgehen, wenngleich sich hieraus anders geartete Konsequenzen ergeben können: Man kann unter Umständen die unmittelbar Verantwortlichen in eine schwierige Situation bringen. Also sind auch die handelnden Akteure angehalten, nicht der Versuchung zu erliegen, sich von den Medien infizieren zu lassen und sich gleichermaßen inhaltlich zu übergeben.

Je exponierter die Position des Interviewten ist, desto gründlicher darf man auf sein „Immunsystem“ achten. Es ist dabei nicht verwerflich, sich von Medienprofis beraten zu lassen und gewissermaßen mit einer Impfung vorzubeugen.

Ja, ich kann die Kritiker schon hören, die sich authentische Beiträge von Charakteren wünschen, wie wir sie nur noch selten im Profifußball erleben, aber man darf dabei auch nicht die Auswirkungen der unzähligen und oft unsäglichen Veröffentlichungen aus den Augen verlieren.

Für den Fußballfan ist das sicherlich unkritisch und das gilt auch für die meisten Akteure sinngemäß. Äußerst gefährlich kann das jedoch für die Menschen werden, die mir besonders am Herzen liegen, den Talenten und Jungprofis.

Sie haben, wenn sie bereits in den Fokus der Medien geraten sind, ein Stadium in Ihrer Karriere erreicht, in dem die nächsten Schritte hin zum Profifußballer oder aber weitere Schritte in Ihrer Karriere anstehen.

Wenn der junge Spieler unbegleitet oder auch unzureichend begleitet mit zahlreichen Beiträgen aus der kommerziellen Medienlandschaft konfrontiert wird, kann sich das negativ auf sein Selbstbewusstsein auswirken oder im schlimmsten Fall in einer Depression manifestieren.

Häufig sind Spielerberater oder jemand aus dem familiären Umfeld dann die Kontaktpersonen, bei denen das junge Talent Rat sucht. Das kann im Einzelfall auch sehr hilfreich sein.

In der Regel neigt der Berater jedoch dazu, auf Basis seiner Interessen die Situation darzustellen und auch die Erziehungsberechtigten sind in vielen Fällen aufgrund ihrer Nähe nicht die richtigen Ratgeber.

Eine professionelle Begleitung bewahrt viele Jungkicker vor einem Karriereknick, einem Karriereende oder gar einer schweren persönlichen Störung.

Ich wünsche den jungen Hoffnungsträgern daher, dass sie in ihrem unmittelbaren Umfeld verständnisvolle, vertrauensvolle und ehrliche Ansprechpartner wissen.

Gerne dürft ihr Euch auch an mich wenden. Einen ersten Eindruck, wie ich meine Rolle als Systemischer Coach interpretiere, habe ich in meinen vorangegangenen Beiträgen dargestellt.

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